Reisen

Holland – Schweden – Dänemark

 

norderney

Norderney

„Wir sitzen in der Rattenfalle“, sagt unsere belgische Nachbarin Marja, die aktuelle Großwetterlage beglückt die Nordsee mit Starkwind. Die Windrichtung aus West bis Nordwest ist eigentlich hervorragend, nur sind uns die durch diese Windstärke erzeugten Wellen zu hoch. Zwei bis drei Meter soll die Wellenhöhe betragen, über 12 Stunden – bis nach Cuxhaven – in der Waschmaschine zu segeln, ist ein ausgiebiger Material- und Magentest.

11 Tage verbringen wir nun auf Norderney, so beständig hat uns in den zehn Jahren unserer Segelkarriere keine Schlechtwetterlage im Hafen gehalten. Segler mit wenig Zeit und weiten Zielen segeln auf „Teufel komm heraus“ durch die aufgewühlten Nordseefluten.

Tanker

Brunsbüttel

Vor Brunsbüttel erfolgt auf einem gewaltigen Tanker Lotsenwechsel, das Fahrzeug steht fast, so können wir gefahrlos vor seinen Bug fahren und einige Fotos machen.

 

YStad

Ystad

Es regnet in Strömen, der Wind soll auch nicht besonders werden. Nach Verlassen des Hafens weht zunächst ein nettes Lüftchen aus der richtigen Richtung, sehr bald wird daraus der perfekte Segelwind. Na so was, das gibt es doch nur in Yacht- oder Urlaubsprospekten. Mit Höchstgeschwindigkeit fliegt ATHENE nach Ystadt, einer Kleinstadt in Südschweden.

Nach gut vier Stunden folgt der gleiche Tausch wie gestern, Wind gegen Sonne. Jedoch haben wir heute mehr Glück, von 54 sm können wir 44 sm segeln. In der Marina finden wir noch einen freien Liegeplatz, willkommen in Schweden.

Dorsch

Simrishamn

Die Sicht auf der Fahrt nach Simrishamn ist nicht so gut, diesig, aber ein gemütlicher Segelwind aus Südwest. Überraschenderweise hält sich der Wind den ganzen Weg über, 28 Meilen stehen nun mehr im Logbuch. Dort findet sich noch eine weitere Eintragung: Fischfang. Die Seekarte weißt in unserer augenblicklichen Position eine Bruchkante aus, der Meeresboden steigt in kurzer Distanz von 30 auf 10 m Wassertiefe an, ideal für Dorsche. An der Angelschnur befestige ich einen Dorschköder – die Reklame spricht von Dorschwunder – und werfe die Fischimitation über Bord. Der Köder gleitet auf den Grund, die Schnur ruckelt und ist plötzlich gespannt. Fertig, Fisch gefangen. Kaum in Simrishamn angekommen, wird er filetiert, gebraten und das Festtagsmahl zelebriert.

Rosenbom

Karlskrona

Vor dem Eingang der Admiralitätskirche steht eine Holzfigur, sie streckt dem Besucher eine offene Hand entgegen und bittet um eine Spende. Mats Rosenbom war Bewohner von Karlskrona und diente in der Marine. In Folge einer Krankheit wurde er entlassen, seine Familie verarmte. 1717 erhielt er von der Stadt eine unentgeltliche Stellung als Sprengmeister, dafür durfte er am Neujahrstag Almosen bei reichen Bürgern sammeln. Nach einem Streit mit dem angesehenen Bildhauer Kolbe erfror Rosenbom vor der Kirche. Aus Reue schnitzte Kolbe eine Armenopferdose in Gestalt von Rosenbom. Das besondere an der Figur ist, jeder Spender muss den Hut der Figur anheben, um seine Münzen hineinzuwerfen.

Dreifaltigkeit

Dreifaltigkeitskirche, Karlskrona

Karlskrona wurde 1680 als Marinestadt auf der Insel Trossö (dort sind wir jetzt) erbaut. Karl der XI benötigte eine starke Basis für seine Flotte in einem geschützten eisfreien Hafen. Der letzte Punkt könnte in diesem Jahr auch für uns interessant werden. Heute zählen zum Stadtbereich 33 Inseln, ein marinehistorisches Weltkulturerbe.Verstreut auf Inseln gebaut, hat Karlskrona ein besonderes Flair; jeder Stadtteil ist von eigenem Reiz.

Sundbruecke

Ystad – Malmö

So ist es also, wenn man an einem Sommertag segelt! Früh verlassen wir die Marina, die See ist spiegelglatt, der Himmel hellblau, tief im Osten entwickelt sich die Sonne langsam zu ihrer vollen Schönheit. Die Luft ist sommerlich und riecht nach Meer, traumhaft. Am Mittag erreichen wir Falsterbo, ein Kanal, der die Halbinsel Falster durchschneidet. Vor einer Kanalbrücke warten wir eine halbe Stunde, bis endlich der Weg in den Öresund frei ist. Am Horizont ist die Sundbrücke, die Malmö mit Dänemark verbindet, zu sehen.

Malmoe

Malmö

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Malmö die zweitgrößte Stadt Nordeuropas, viele Gebäude zeugen von dieser Zeit. Der kopfsteingepflasterte Platz Lilla Torg mit seinen umliegenden Fachwerkhäusern und Restaurants, deren Tische und Stühle draußen stehen, ist ein beliebter Treffpunkt für (wahrscheinlich) Einheimische und Touristen gleichermaßen. Ein Schlenker weiter führt zur St.Petri kyrka, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde und als schönstes Beispiel der baltischen Backsteingotik gilt. Sie ist das älteste Bauwerk der Stadt und beherbergt in einer Kapelle Kalksteinmalereien vom Ende des 15. Jahrhunderts.

Tivoli

Kopenhagen

Nur 16 sm Segelstrecke liegen zwischen Malmö und Kopenhagen, ein Katzensprung zum dänischen Nachbarn. Die Stadt bietet mit dreizehn Yachthäfen reichhaltige Auswahl, in Svanemöllehavnen im Norden der Stadt machen wir unseren Landfall.

Während der Nacht zieht eine Regenfront auf, der Wind weht mit Stärke sechs aus Nordost und treibt dichten Regen über das Schiff. Die Luken müssen fest verschlossen werden, das Wasser dringt selbst durch kleine Belüftungsspalten. Zum Glück mussten wir bisher nur selten zu dieser Maßnahme greifen. Der nächsten Morgen ist grau verhangen, bei dem Regen wäre auch Noah beim Lackieren seiner Arche fuchsig geworden.

KranEnde2004

Bierland

Am frühen Morgen verlassen wir bei leichtem Nordwind Gedser. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Tage scheint es uns klüger morgens Richtung West zu segeln, bisher kam oft nachmittags Westwind auf. Zum Abschluss unserer Reise winkt uns ein schöner Sommertag. Wir sind absolut nicht traurig, sondern genießen das schöne Wetter. Kurz vor Burgtiefe läuft dicht an uns ein offenes Motorboot auf Gegenkurs vorbei, das weibliche Crewmitglied sitzt oben ohne im Schiff, so, dass sie jeder sehen muss und sie hat … Donnerwetter!

Auf Fehmarn sind freie Liegeplätze im Überfluss, erheblich mehr als vor einigen Wochen. In einer „Box“ mit Balkon nach Südwest legen wir an. Beate: „Am liebsten möchte ich nun ein Bier trinken.“ Auch bei mir findet der Vorschlag Begeisterung, ja, wir sind wieder im Bierland.